Verdienstkreuz am Bande für Chordirigent Hermann Kreutz

Hermann Kreutz
Musik begriffen als universale Sprache, als humane Botschaft und Medium einer Verständigung, die über politisch oder gesellschaftlich gesetzte Grenzen weit hinaus reicht: dieser Anspruch an das eigene Musizieren war bestimmend für Hermann Kreutz und seine Arbeit als Chorleiter. Und ist es bis heute geblieben - seit mehr als sechzig Jahren!
Einfach hat Hermann Kreutz es sich und all seinen Vokalensembles nie gemacht. Keine Frage: der Bachchor Gütersloh, den Kreutz 1957 als junger und ehrgeiziger Dirigent übernommen und dann zu einem erstklassigen Ensemble geformt hatte, stieg unter seiner Leitung schnell auf in die westeuropäische Spitzenliga der Chöre. Ziemlich rasch waren Kontakte in die damalige DDR geknüpft, noch vor dem Mauerbau. Freundschaften reiften heran, Ost-West-Beziehungen von kontinuierlichem Bestand - auch nach dem Fall der Mauer 1989. Mindestens einmal pro Jahr gab es eine Reise der Kreutz-Chöre in den Osten unter oft schwierigen Bedingungen und mitunter am Rande der Legalität. Gern gesehen war dieser Austausch natürlich nie, selbst nicht von den kirchlichen Stellen hier im Westen, die Kreutz' Aktivitäten immer etwas skeptisch betrachteten.
Und dann ist es immer wieder Polen und seine Menschen, die Hermann Kreutz sehr am Herzen liegen. Auch dorthin führten Jahrzehnte lang etliche Tourneen mit seinen Chören - Reisen hin zu den eigenen Wurzeln in Pommern. Denn dort wurde der Dirigent 1931 geboren. Der Krieg und seine Folgen prägten Kindheit und frühe Jugend, Kreutz' Vater, der als Pastor gearbeitet hatte, fiel in Frankreich, seine Mutter und die fünf Geschwister flohen und kamen nach etlichen Stationen schließlich nach Ostwestfalen. Eigentlich ein Glücksfall, denn hier konnte Kreutz seine Schulzeit mit dem Abitur beenden und studieren: erst in Herford Kirchenmusik, dann in Detmold Chorleitung! Dieses Metier bestimmt sein künstlerisches Wirken bis heute - und es ist jene ethische Dimension der Musik, von der Hermann Kreutz überzeugt ist, dass in ihr eine konkrete Utopie vom friedlichen Zusammenleben der Menschen ohne Hass und Gewalt eingepflanzt ist.
Für Kreutz' Bemühungen um Verständigung zwischen Ost und West in Zeiten der Mauer und des Kalten Kriegs hat Bundespräsident Joachim Gauck ihm das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Am 27. Februar wurde es ihm bei einem Festakt in der Rüstkammer des Rathauses zu Münster durch Oberbürgermeister Markus Lewe überreicht. Familie, Freunde, Bekannte und eine ganze Schar ehemaliger und noch aktiver Sängerinnen und Sänger konnten Kreutz gratulieren und sich mit ihm freuen.
März 2015, Christoph Schulte im Walde